Anna Rotkind und die Vorstellung, dass jeder schreiben und malen kann…

Ätherische Öle – Nutze die heilende Kraft der Natur

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Hinter diesem „Machwerk“ – anders kann ich dieses Sammelsurium von teils gefährlichem, stets aber unsinnigem und wertlosem „Inhalt“ nicht bezeichnen – stammt aus der Feder der „Philosophin“, Malerin und „Autorin“ Anna Rotkind.

Möglicherweise um die Gefährlichkeit und Nutzlosigkeit ihres „Werkes“ wissend, bekennt sich die „Autorin“ geflissentlich auch nicht zu ihrem Werk – ihr Name und ihre Anschrift sind erst am Ende des Buchs genannt – und so wird als „Autorin“ die nicht existente Yasmina Klum genannt.

Auch erwähnt Anna Rotkind vorsorglich, dass der Text keinesfalls die medizinische Beratung durch einen Arzt oder Apotheker ersetze – hier stellt sich mir die Frage, warum man dann nicht gleich ein Buch von einem Apotheker/einer Apothekerin erwerben sollte – Apotheker haben schließlich in ihrem Studium u. a. umfassendes Fachwissen rund um sämtliche Heilpflanzen erworben.

Weiter liefert das Buch – so schreibt Frau Rotkind – keine Garantie für Korrektheit, Aktualität und Qualität der bereitgestellten Informationen. An dieser Stelle darf die berechtigte Frage gestellt werden, welchen Zweck solch ein Buch dann überhaupt erfüllen soll – und ob das Buch lediglich den Sinn hat, die Tasche der „Autorin“ mit Geld zu füllen – wenn die Leute aber Fragen haben, oder zu Schaden gekommen sind, ist gefälligst der Weg zur Apothekerin zu wählen.

Nicht zuletzt haben solche Bücher auch die Folge, dass mein Postfach tagtäglich mit Mails von zweifelnden Leser/-innen überfüllt ist, die unsicher sind, ob sie der Schundliteratur, mit der massenweise der Buchmarkt zugemüllt wird, glauben dürfen.

Nun zum Inhalt – sofern man diesen zusammengetragenen, fehlerhaften Schnipsel überhaupt den Namen „Inhalt“ geben kann.

Da das Buch praktisch eine reine Ansammlung von fehlerhaften Aussagen ist – richtige Aussagen habe ich dort kaum gefunden – kann ich an dieser Stelle freilich nur einige der Fehler zum Besten geben:

  1. Es wird behauptet, Eucalyptusöl helfe bei Rheuma „Da Rheuma durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken entsteht, kann eine verstärkte Durchblutung dabei helfen, diese Ablagerungen wieder aus den Gelenken abzutransportieren und dadurch die rheumatischen Entzündungen lindern.“: Hier wird – da keinerlei medizinisches Wissen vorhanden ist – Rheuma mal eben mit Gicht verwechselt, denn Harnsäurekristalle in den Gelenken sind Ausdruck von Gicht. Unabhängig davon ist Eucalyptusöl auch beim Vorliegen von Gicht nicht in der Lage, Harnsäurekristalle aus den Gelenken abzutransportieren.
  2. „Für die innere Anwendung von Eukalyptusöl bieten sich magensaftresistente Produkte wie Bonbons oder Kapseln an. Oral eingenommen wirkt das  Öl gegen Darmparasiten, Asthma, Rheuma, Harnwegserkrankungen und Grippe“. Jedes Kind weiß, dass Bonbons hauptsächlich aus Zucker bestehen – Magensaftresistente Kapseln werden pharmazeutisch aufwendig mit speziellen Überzügen hergestellt und haben nichts mit „Bonbons“ gemein. Natürlich wirken Eucalyptusölkapseln bei Husten, Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündungen – diese wirklichen Indikationen werden nicht erwähnt – dafür sollen sie bei Asthma, Darmparasiten, Rheuma und Harnwegserkrankungen helfen. Der Einsatz von ätherischen Ölen bei Asthma kann lebensgefährlich sein, bei Rheuma und Harnwegserkrankungen ist dagegen keinerlei Hilfe zu erwarten – hier wird ggf. eine sinnvolle Behandlung durch die Gabe von „Eucalyptusölbonbons“ ersetzt.
  3. „Zudem ist Eukalyptusöl ein hervorragender Reiniger, mit dem man Fett und Schmutz von Händen und Füßen lösen kann.“ Ätherische Öle sind keine „Seifen“ oder „Reiniger“ – diese sind zum einen viel zu reizend, um unverdünnt eingesetzt werden – zum anderen ist die reinigende Wirkung von Eukalyptusöl nicht sehr stark, wie man sich unschwer vorstellen kann.
  4. „Die Grapefruit wird auch Pampelmuse genannt“: Wer sich nur ein bisschen mit Ernährung auskennt bzw. schon mal eine Grapefruit bzw. Pampelmuse gegessen hat, weiß, dass die Grapefruit eine Kreuzung aus Orange und Pampelmuse ist.
  5. „Grapefruitöl…die Magenwand dazu anregt verstärkt Magensäure zu produzieren. Dadurch wird die Nahrung schneller verdaut und Nährstoffe können schneller von der Magenwand absorbiert und in den Blutkreislauf überführt werden…“ – Auch hier fehlen grundlegende Kenntnisse der Medizin. So absorbiert die Magenwand freilich keine Nährstoffe und führt diese dem Blutkreislauf zu. Vermutlich hat die „Autorin“ noch nie etwas vom Darm und dessen Funktion gehört – hier wird suggeriert, dass die Verwertung der Nahrung einzig im Magen stattfindet, der Darm wird also zum nutzlosen Organ degradiert. Die Nahrung wird natürlich in Wahrheit vom Magen an den Darm weitergeleitet, dort weiterverdaut und die Nährstoffe alsdann von dort in die Blutbahn abgegeben.
  6. „Auch bei Darmproblemen ist Grapefruitöl sehr gut anwendbar, wenn diese durch eine negative Veränderung der Darmfauna hervorgerufen werden.“ – Grundgütiger! Die Darmflora wird hier mit der Darmfauna – also der Tierwelt – verwechselt.
  7. „Gegen äußere Entzündungen auf der Haut werden fünf Tropfen Lavendelöl in 100 ml Wasser gegeben.“ – Gefährliche und unnütze Anwendung.
  8. „Eiternde Wunden sollten…mit Alkohol behandelt werden.“ – Alkohol schädigt das Gewebe, verzögert die Wundheilung und brennt stark auf der Haut. Alkohol ist also nicht mehr zeitgemäß zur Behandlung von offenen und eiternden Wunden – hier helfen spezielle Salben oder Wundauflagen.
  9. „Für die Behandlung von Verbrennungen mischt man 100 ml Lavendelöl mit einem halben Liter Olivenöl.“ – Das Auftragen von Öl verhindert, dass die die Brandwunde abheilen kann. Öl ist hier kontraindiziert, vielmehr helfen z. B. wasserhaltige Cremes, die der Haut die durch die Verbrennung verlorene Flüssigkeit wieder zuführen.
  10. „Durch den hohen Gehalt an Kampfer im Lavendelöl wird die Haut beim Auftragen stärker durchblutet, was die Selbstheilungskraft….fördert“ – Ein hoher Gehalt an Campher ist Zeichen für minderwertige Qualität bei Lavendelöl. Hochwertiges Lavendelöl darf überhaupt keinen Campher enthalten. Wer selbst jemals an Campher und Lavendelöl gerochen hat – und nicht nur, wie die „Autorin“ unwissend und unreflektiert aus irgendwelchen fragwürdigen Quellen abschreibt – weiß, dass der durchdringende Geruch von Campher nicht in hochwertigem Lavendelöl festzustellen ist.
  11. „…dass Thymianöl die Produktion des sogenannten CoX-2-Enzyms, welches häufig eine große Rolle bei Entzündungen spielt, um bis zu 75 % reduzieren kann. Wird die Produktion dieses Enzyms gehemmt, steigert dies die Produktion weißer Blutkörperchen, welche wiederum Bakterien und Viren bekämpfen“ – Hier blutet das Herz der Pharmazeutin. Cyclooxygenase-2-Hemmer wirken antiphlogistisch (entzündungshemmend) und analgetisch (schmerzhemmend) – weiße Blutkörperchen sind demgegenüber ein Teil der Immunabwehr, die so gar nichts mit der Cyclooxygenase zu tun hat.
  12. „Der Geruch von (Pfefferminzöl) hilft bei Kopfschmerzen.“ – Die Vorstellung, dass es nur der Geruch des Pfefferminzöls ist, welcher Kopfschmerzen vertreibt, passt in das falsche und naive bzw. überhaupt nicht vorhandene medizinische Verständnis der „Autorin“.

Tatsächlich ist es aber so, dass Pfefferminzöl – um eine Wirkung zu erreichen – mit Alkohol verdünnt wird und mit einem Roller bspw. auf Schläfen und Stirn aufgetragen wird. Ätherisches Pfefferminzöl wirkt kühlend, blockiert den Schmerz und entspannt die Muskulatur, durch die Kombination der Effekte wird insbesondere Spannungskopfschmerz effektiv bekämpft.

  1. „Die Pfefferminze wächst auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde“ – Die Pfefferminze ist natürlich eher in gemäßigten und warmen Gebieten zu finden.

…dann wollte ich es mir nicht zumuten, dieses „Werk“ – das ich als sehr gefährlich erachte, namentlich, weil auch sämtliche Anwendungsgebiete der ätherischen Öle falsch sind – weiterzulesen, da es eine einzige „Fundgrube“ von Fehlern ist.

Wie man sieht, unterliegt die „Autorin“ – wie es übrigens bei den meisten Autoren von Sachbüchern der Fall ist – der irrigen Ansicht, dass jedermann über alles schreiben kann, von dem er meint, dass es die Geldbörse füllen könnte. Die Gefährlichkeit – oder bestenfalls völlige Nutzlosigkeit ihrer Büchern – ist diesen „Autoren“ in keinster Weise bewusst – oder aber es ist diesen moralisch fragwürdigen Individuen völlig egal, welchen Schaden sie mit ihren Büchern anrichten.

Hinzu kommt, dass die meisten Leser meinen, dass Bücher irgendwelchen Qualitätsprüfungen unterliegen, was aber mitnichten der Fall ist. Vielmehr ist es so, dass es im Buchmarkt generell keine Qualitätskontrollen gibt. Und natürlich ist es so, dass alle Bereiche, die nicht kontrolliert werden bzw. nicht kontrollierbar sind, von jeher größte Anziehungskraft auf Betrüger und Geldschneider jedweder Sorte ausüben.

Derartige Fake-Bücher sind meist schon an den gefälschten Autorenprofilen erkennbar. So sind schätzungsweise 90 % der Profile der Amazon-Sachbuchautoren gefälscht – nicht existente Namen, Titel und Beschreibungen der „Qualifikation“ des Autors gehen Hand in Hand mit falschen Bildern, was durch Google-Bildvergleich ohne Weiteres nachgeprüft werden kann.

Nun noch ein Wort zur Malerin Anna Rotkind – da ich mich „Kunst“ – oder was sich so nennt – nicht auskenne, kann ich die Qualität der Bilder der Malerin nicht beurteilen. Wenn diese Bilder aber die gleiche Qualität haben wie die Bücher, lässt dies nichts Gutes erahnen.

Auf amazon verkauft die Malerin- ich erlaube mir an dieser Stelle einen Link zu setzen – eine abstraktes Unikat-Öl-Gemälde für 2700 Euro (plus 3 Euro Versandkosten). Daneben steht der Text, dass das Bild einlädt, einen Moment stehen zu bleiben…Ich muss gestehen, dass mich das Bild eher zum Fortlaufen animiert, namentlich, wenn ich an die Bücher der Autorin denke… https://www.amazon.de/Vita-Unikat-%C3%96l-Gem%C3%A4lde-Rotkind-gespachtelt/dp/B079K74DZS/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1553118796&sr=8-3&keywords=anna+rotkind

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