Marion Vogel: Vogelfrei um die Welt – Vom Suchen und Finden

Von Marion Vogel

Verlag: Kastner

„Ich wollte, ich hätte…“ – Ein Satz, oder vielmehr eher eine monotone Litanei, täglich dargeboten von denen, die sich vom Leben oder vom Schicksal verraten fühlen und unentwegt mit selbigem hadern. Falsche Entscheidungen und Versäumnisse bewegen unzählige Menschen, ja zehren diese sogar auf. Unerfüllte Wünsche und Träume werden geopfert auf dem Altar der – zumindest vermeintlichen – Sicherheit, welche ein ungeliebter Job oder ein verhasster Ehemann bieten.

Und genau an dieser Stelle setzt das Buch „Vogelfrei – Vom Suchen und Finden“ an. Wir begegnen der 23-jährigen Marion Vogel, die ein nach außen scheinbar perfektes Leben führt – Die Versicherungskauffrau hat einen zwar öden, aber gut bezahlten Job, einen netten Freund und eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung, obendrein noch in München. Obwohl die junge Frau von Selbstzweifeln und Unsicherheiten, welche diese Phase des Lebens meist mit sich bringt, geplagt ist, verlässt sie die Annehmlichkeiten des bürgerlichen Münchens und wagt den Sprung ins kalte Wasser – und das nicht nur im übertragenen Sinn, denn bald finden wir Marion in Ägypten wieder, wo die Faszination der Unterwasserwelt sie ganz in ihren Bann zieht. Das Rote Meer, bunte Fische, Wasserschildkröten – der Leser/die Leserin kann buchstäblich die Magie, die Farben und die Unendlichkeit des Meeres spüren und miterleben. Der Entschluss, Divemasterin zu werden, ist bald von Marion gefasst, nach einer aufregenden Zeit in Ägypten und dem Abschluss als Divemasterin steht jedoch fest, dass die Reise in weitere ferne Länder – und zu sich selbst – noch nicht zu Ende ist.

Und so geht es weiter Richtung Australien, ein einschneidendes Erlebnis ist dort – neben zahlreichen Reisen und Abenteuern – die Begegnung mit der niederländischen Fotografin Maaike. Die beiden jungen Frauen werden enge Freundinnen und ganz zwangsläufig reift in Marion – die bisher ihr berufliches Ziel noch nicht kannte – der Wunsch, Fotografin zu werden. Natürlich bieten sich dort, in der Ferne, genügend Motive für ausgezeichnete Fotografien, so dass Marion ihr Talent gleich auf die Probe stellen kann.

Im weiteren Verlauf – und an dieser Stelle soll nicht allzu viel verraten machen – kommt es zu weiteren Reisen und Lernprozessen, an dessen Ende eine selbstbewusste, mit sich selbst und anderen ins Reine gekommene Frau steht, die ihr privates und berufliches Glück gefunden hat.

Die zahlreichen Reisen werden unterbrochen von mehr oder weniger langen Aufenthalten in München, wo Marion als Fotografin zunächst freiberuflich für die große Boulevardzeitung, anschließend für Presseagenturen arbeitet, bevor sie sich für die Selbständigkeit entscheidet

Fazit: Das Buch zeigt den authentischen Weg und den Werdegang einer bemerkenswerten Frau auf, die schon in jungen Jahren nicht bereit ist, sich in der Bürgerlichkeit einer festen Anstellung „einzurichten“. Stattdessen verrät sie sich und ihre Träume niemals, macht sich auf in die Ferne, um dort zu finden, was sie sucht – was sie eigentlich sucht, wird freilich erst durch die Reisen und v. a. auch durch ihre Bekanntschaft mit Maaike klar.

Natürlich trifft Marion auf ihren Reisen auch mehr oder weniger charakterfeste Männer – Dass man auf Reisen niemals sein Herz verlieren soll, ist freilich eine Weisheit, die wir Frauen erst durch entsprechende Erfahrungen lernen (müssen). Aber Maiike gibt ihren Traum vom Glück nicht preis, und wird am Ende mit der lang ersehnten Liebe belohnt. Wie könnte ein Happyend schöner sein…

Besonders die Ehrlichkeit und die Authentizität der Autorin haben mir gefallen, auch ihr Mut, schon als junge Frau – ohne entsprechende finanzielle Mittel als Rückhalt – ihr Leben in der Ferne selbst in die Hand zu nehmen und auch gewagte Abenteuer einzugehen. Marion zeigt auf, dass der einfache Weg nicht immer der beste ist und dass es sich lohnt, für seine privaten und beruflichen Träume zu kämpfen. Auch der Einblick in die Welt der Boulevardzeitungen hat mir persönlich gut gefallen, insbesondere auch Marions kurzes Gastspiel als Paparazzo. Natürlich kann der Leser sich auch an den zahlreichen Bildern delektieren, welche das Buch abrunden.