Die Mär vom qualitativ hochwertigen Sach-Verlagsbuch…

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Einige – oder vielmehr die meisten – Verlage wollen den Leserinnen und Lesern suggerieren, dass angeblich nur sie für Qualität von (Sach-)büchern bürgen könnten.

Wer das Verlagswesen jedoch kennt und einige Blicke hinter die Kulissen von Verlagen werfen konnte, weiß, dass dem nicht so ist – ja, dass dem gar nicht sein kann.

Warum das so ist? Nun, das fängt bei den Verfassern von Sachbüchern an und endet bei der viel beschworenen, aber nicht vorhandenen, Qualitätskontrolle.

Zunächst wollen wir einen Blick auf die Verfasser von Sachbüchern werfen.

Meist werden Verlags-Sachbücher nicht von Fachleuten geschrieben – sondern von Laien, „Journalisten“ oder sogenannten Wissenschaftsjournalisten. Nun ist „Journalist“ keine geschützte Berufsbezeichnung. Und Wissenschaftsjournalisten haben vielleicht gelernt, wie man einen Text wissenschaftlich wirken lässt – diese Tatsache macht sie jedoch keinesfalls zu Wissenschaftlern oder zu Fachleuten auf gleich welchem Gebiet.

Nur Fachleute haben meines Erachtens aufgrund ihrer Ausbildung das unbedingt erforderliche Wissen, um überhaupt Sach- und Fachbücher in der gebotenen Qualität schreiben zu können. Natürlich reicht es heutzutage nicht mehr aus, irgendwann einmal studiert zu haben und sich dann im Sessel zurückzulehnen und sich auf den mehr oder weniger wohlverdienten Lorbeeren auszuruhen. Gerade in einer Zeit, in der sich der Stand der Wissenschaft – namentlich im Bereich der Pharmazie und Medizin – immer schneller erneuert und fast täglich neue Erkenntnisse zu diversen Themen geliefert werden, ist es unabdingbar, immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu bleiben. Und dazu gehört die ständige Bereitschaft zur Fortbildung, das unablässige Recherchieren und Prüfen von verschiedenen Quellen zu diversen Themen sowie ein kritisches Urteilsvermögen – im Klartext bedeutet dies ein Leben ohne Feierabend, ohne Wochenende und natürlich auch ohne geregelten Urlaub.

Stattdessen bedarf es endloser Leidenschaft – sowohl für das Schreiben, als auch, in meinem Fall, für die Gesundheit in allen Facetten. Und genau diese Leidenschaft – die sich vielleicht durch das Motto von Steve Jobs stay hungry, stay foolish ausdrücken lässt – ist doch vielen Autoren mittlerweile abhanden gekommen. Denn Verlage und viele derer Autoren sind doch meist gar nicht mehr bereit, Risiken und Wagnisse einzugehen. Statt Neues auszuprobieren, setzt man auf „Altbewährtes“ – hier rieselt der Staub vergangener Jahrzehnte – und man hegt immer noch den Traum vom absoluten Bestseller und vom ganz großen Geld. In der Hoffnung auf den absoluten Bestseller, verharren sie in Warteposition, liegen auf der Lauer – derweil auch die letzte Leidenschaft verlorengeht.

Stay hungry, stay foolish bedeutet indes, nicht abzuwägen, sondern das tun, wofür man brennt, weiter, seine Leidenschaft leben, nonkonformistisch sein, aus gewohnten Bahnen ausbrechen. Genau das tun und auch das leben wir unabhängige Autoren täglich, ohne Kompromisse, ohne Schielen nach dem großen Geld und dem ultimativen Bestseller.

Im Verlagsbereich – um wieder zum Thema zurückzukommen – gibt es neben Laienautoren natürlich auch viele Ärzte, Professoren und andere Honoratioren, deren Konterfei (gerne auch im weißen und gestärkten Kittel) oft auf dem entsprechenden Buch rankt. Die Bücher sind jedoch in vielen Fällen gar nicht von diesen Honoratioren geschrieben. In einigen Fällen ist in der Innenseite des Buchs kurz der „Coautor“ genannt – um zu urteilen, dass dieser den größten Anteil des jeweiligen Buch liefert, bedarf es sicherlich nicht besonders viel Fantasie. In den meisten Fällen wird der Hinweis auf den „Beiautor“ jedoch ganz „vergessen“.

Ich habe unzählige derartiger Bücher gelesen – diese strotzen vor fachlichen Fehlern, soweit das Auge reicht. Die Umsetzung der dort genannten „guten“ Ratschläge könnte zahlreiche Leser ohne Umschweife direkt ins Grab bringen – zu Gute kommt diesen Autoren, dass die Leser vorgeschlagene Therapien in den wenigsten Fällen in die Praxis umsetzen. Bezeichnend ist aber, dass derartige Bücher stets im Ton großer Selbstverständlichkeit und mit überbordendem Selbstbewusstsein geschrieben sind – denn wer, wenn nicht gerade ein Fachmann, könnte schon die zahlreichen Fehler der Bücher finden und enttarnen?

Dann noch ein Wort zum Thema Qualitätskontrolle. Viele Leser sind der Ansicht – und diese Meinung wird von den Verlagen auch nur zu gerne befeuert – dass Sachbücher von Verlagen eine Art Qualitätsprüfung oder Lektorat durchlaufen. Das ist aber mitnichten der Fall. Fach- und Sachbücher gehen meist direkt in den Druck, ohne vorher in irgendeiner Weise überprüft worden zu sein oder ein Fachlektorat gesehen zu haben. Wie sonst könnte auch die immense Fehlerschwemme in diesen Büchern zu erklären sein?

Viele Leser sind indes der Ansicht, dass einem Verlag eine wahre Armada an Fachlektoren zur Verfügung stände, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Sach- und Fachbücher zu prüfen. Wer die Dinge aber bei Licht betrachtet, dem ist klar, dass ein solches Fachlektorat gar nicht bezahlbar wäre – bei immer weiter fallenden Preisen von Büchern – bzw. dass ein solches Fachlektorat auch gar nicht zur Verfügung steht. Denn wo sollten solche Heere von Experten – denn nur diese könnten die Massen an Sachbüchern kontrollieren – herkommen – vom Himmel fallen diese sicherlich nicht.

Und so ist es denn auch so, dass auch Bücher von Laien von Verlagen „durchgewunken“ werden – nach dem Motto „es wird schon richtig sein, was da steht – und wenn nicht, merkt es eh keiner“.

Die Aussage über die Qualitätsprüfung von Büchern durch die Verlage kann man also getrost ins Reich der Märchen ansiedeln.

Vielmehr ist es so, dass es im Buchmarkt generell keine Qualitätskontrollen gibt, keine Richtlinien und keine Vorgaben. Und natürlich ist es so, dass alle Bereiche, die öffentlich nicht kontrolliert werden bzw. nicht kontrollierbar sind, größte Anziehungskraft auf Betrüger und Geldschneider jedweder Sorte ausüben. Dazu aber mehr in meinem nächsten Beitrag.

Im nächsten Blogbeitrag geht es mit folgenden Themen weiter:

Mafiöse Strukturen im Ebook-Bereich der Selfpublisher

Falsche Doktoren, soweit das Auge reicht.

Warum nur wissenschaftliche Verlage ein sicheres Bollwerk gegen unseriöse Autoren sind.

Comments (5)

  1. Anja S. 2. Januar 2018 at 9:14

    Das ist ein interessanter Beitrag und ich bin schon auf den nächsten gespannt, da ich mich schon lange frage, wie das mit dem Selfpublishment abläuft.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

  2. Marie 2. Januar 2018 at 10:35

    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich mit dem Thema mit der Qualitätsprüfung von Büchern durch die Verlage noch nicht richtig befasst habe. Daher finde ich deinen Beitrag sehr interessant zu lesen. Danke für diesen Einblick.

  3. Billchen 3. Januar 2018 at 14:49

    Sehr interessant, vieles ist einem gar nicht bewusst oder bekannt. Ich bin gespannt was du zum Thema Selfpublishing schreibst.

    Liebe Grüße
    Sybille von Billchen’s Beauty Box

  4. Andrea 3. Januar 2018 at 15:45

    Ja das ist schon blöd, wenn man sich auf das Wissen in Sachbüchern nicht verlassen kann. Ist leider oft so, dabei denkt man immer, wenn es in einem Buch steht, wird es schon stimmen.

  5. I need sunshine 3. Januar 2018 at 20:43

    Das ist ja ein spannendes Thema! Vielen Dank, habe viele neuen Einblicke bekommen.

    Liebe Grüße,
    Diana

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