Auch mein Herz öffnet sich…

wenn ich die strahlenden Gesichter der Menschen sehe.

„Schau mal, zwei Esel“ so höre ich die Worte, noch ehe ich die Menschen erblicke.

Meine Esel Harrie und Achiel bei einem ihrer zahlreichen Spaziergängen
  • „Schön, dass man mal was anderes außer Hunden sieht.“
  • „Haben die heute Ausgang?“
  • „Was haben Sie da für ein wunderschönes Gespann?“
  • „Wo gehören die hin?“
  • „Das sind aber mal gepflegte Esel.“
  • „Ist das ein Pärchen?“ – „Nein, zwei Jungs“
  • „Sind die schwul?“
  • „Kann man die ausleihen?“
  • „Sind das Goldesel?
  • „Machen Sie auch Eselwandern? Ich habe jetzt davon gelesen.“
  • „Sind das Mulis?“
  • „Kann ich Bilder machen?“
  • „Darf man die mal streicheln?“
  • „Kann man darauf reiten?“
  • „Die beiden möchte ich mitnehmen.“
  • „Gibt es auch Eselkuscheln bei Ihnen?“
  • „Ist das Gassigehen auf die neue Art?“
Esel Harrie und Achiel im Hochsommer 2018

Auf meinen Wanderungen lassen die Esel keinen Vorbeiziehenden kalt und jeder hat mehr oder weniger sinnvolle Kommentare parat.

Nach der Einsamkeit der Wintermonate, in denen man die verwaisten Straßen und Wege fast für sich allein hatte, beginnen nun mit der Saison für Wanderer auch die Fragen zu den Eseln wieder.

Esel Harrie im Winter 2019 bei einer kleinen Zwischenmahlzeit
Esel Achiel im Winter 2019 bei einer kleinen Zwischenmahlzeit

„Sag mal, nervt Dich das nicht? So eine Freundin „ständig die Fragen, ohne Unterlass, das ist doch störend, ja sogar lästig.“

Nein, die Fragerei nervt mich nicht – denn es ist geradewegs bezaubernd, zu sehen, wie die Esel die Leute zum Staunen, zum Lachen, zum Glücklich-sein animieren, wenn vielleicht auch nur für den Moment, in dem wir uns begegnen.

Wann ist es schließlich noch möglich, wann passiert es noch, – so antworte ich der Freundin – dass nicht nur Kinder, sondern auch erwachsene Menschen, staunen, strahlen – wie Kinder, denen gerade etwas Gutes geschehen ist.

Esel Harrie und Achiel in der Halle wo sie gerne toben – Sand ist das Element der Esel

Abgestumpft von den Gegebenheiten der Realität oder der Härte des Lebens erstaunt oder verwundert die Menschen doch kaum noch etwas, namentlich in diesen Zeiten. Und so gerate auch ich ins Fühlen, ins Staunen, beantworte gerne und bereitwillig die Fragen der Staunenden, erwecke und stärke gerne ihr Interesse für die sanftmütigen, aber eigenwilligen Wesen, die auch mich in ihren Bann gezogen haben.

Esel Achiel auf seiner Weide mit Bäumen und einem kleinen Teich
Esel Harrie auf seiner Weide mit Bäumen und einem kleinen Teich

Das Wissen-Wollen der Leute erfreut auch mich, wie sie lächeln und auftauen, aus dem Eis des Schweigens, in dem wir alle zeitweise gefangen sind. Begegnungen, flüchtig, unverbindlich, aber trotzdem oder gerade deswegen zumindest mir wertvoll – kein Fragen, wer ich bin oder wer das Gegenüber ist, nur das Interesse für die Esel eint uns, in diesem Moment.

Esel Harrie drängt zum Aufbruch…

Irgendwann, nach einer Weile, zieht Esel Harrie, ermuntert mich unmissverständlich zum Aufbruch… Jeder geht nun wieder seiner Wege – die Fremden verabschieden sich mit einem Lächeln und meist guten Wünschen, während ich, im Gleichschritt mit meinen Eseln, in die Ferne ziehe…

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