Vom Mut zur Freiheit

„Die persönliche Freiheit, Angie, ist das höchste Gut, das wir besitzen“ so sagte mein Freund, damals, als wir entlang des Rheins schlenderten. Ich schaute prüfend zu ihm, dem hochgewachsenen Mann, und betrachtete ihn kritischen Blickes. „Was hat der jetzt für Schmerzen?“ so dachte ich, was soll denn dieser Satz, ganz unvermittelt, mitten in einer Unterhaltung.

Erst Jahre später wurde mir klar, was der Freund meinte, und dass ich das, was er vielleicht suchte, schon immer lebte: Ich lebte schon immer mit dem Mut zur Freiheit, ohne mir dessen damals überhaupt bewusst zu sein.

Mit den Jahren wurde mir klar, warum ich, wohl zunächst unbewusst, den Weg der Freiheit gewählt hatte. Ich wollte niemanden Rechenschaft abgeben müssen, niemanden Liedes singen müssen, nur mir allein verantwortlich sein. Ich wollte keine Kompromisse, keine falschen Rücksichtnahmen, nicht im Privaten und v. a. nicht im Berufsleben. Ich wollte meine Meinung sagen können, offen das aussprechen, was ich dachte. Keine Halbheiten leben, kein Anbiedern bei Vorgesetzten, die ich niemals hatte. Dafür mit der Freiheit, jederzeit zu gehen, wenn es nicht mehr passt.

Denn schon sehr früh hatte ich mich als Apothekerin für die Freiberuflichkeit entschieden – und diesem Weg folge ich nun auch als Autorin. Als freiberufliche Apothekerin kenne ich keinen Urlaub, keine Feiertage, kein Weihnachtsgeld und schon gar keinen gelben Schein. Um den Weg der Freiheit zu gehen, bedarf es manchen Mut, denn man geht ohne jegliche Absicherungen durchs Leben. Wenn der Mut und der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit größer sind als die Angst vor der Unsicherheit, dann ist man für diesen Weg bestimmt.

In unserem Gästezimmer steht immer ein fertig gepackter Koffer, mit Klamotten randvoll zugestopft, so dass ich jederzeit zum nächsten Apothekeneinsatz fahren kann. „Was ist das immer, mit Deinem Koffer, so kann ich nicht putzen“ sagt meine Hausperle halb amüsiert, halb genervt.

Der Koffer steht jedoch als Zeichen für Freiheit, als Signum, immer und überall neu anfangen zu können. Dazu gehört natürlich, dass man Neues liebt und keine Veränderungen fürchtet. Aber wie sagte Hesse schon so schön? Nur wer bereit zu Aufbruch und zur Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen…Diesen Satz habe ich mir zu eigen gemacht wie keinen zweiten.

Und so steht mein Koffer weiter gepackt und bereit…Warum ich aus den gleicher Überzeugung selbstverlegende Autorin geworden ist, können Sie im zweiten Teil des Blogs lesen.

(4) Kommentare

  1. Joachim Raeder 4. August 2017at7:41

    Wir sollten alle nach mehr Unabhängigkeit streben!

    • Michael Raab 6. August 2017at11:47

      Genauso ist es! – Aber Unabhängigkeit bedeutet Vorsorge und Verantwortung für das eigene Leben und das vom Partner und Familie zu übernehmen.

      Leider sind immer weniger Menschen bereit sich dieser Verantwortung des Lebens zu stellen.

  2. Lisa 13. September 2017at17:24

    Sehr schön geschrieben, liebe Angela. Ein echt toller Beitrag! – Dieses Motto ist auch meines – ich wollte immer die Freiheit haben, zu tun und zu lassen können, was ich möchte, arbeiten wo ich will, leben wo ich will und vor allem auch niemanden eine Rechenschaft schuldig zu sein, „Warum, Weshalb und Wieso …
    Es ist nicht immer einfach, aber dennoch habe ich so die Möglichkeit, „mein Leben“ zu leben und nicht fremdbestimmt zu sein.

  3. Tara 8. Dezember 2017at10:37

    Spannend geschrieben – ich denke auch, dass das das wichtigste Gut ist, was wir haben 🙂

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