Das Spiel des Windes…

Die Gerste ist – wie alle anderen Getreidearten auch – in den letzten Wochen auf gerade fulminante Weise gediehen und steht in voller Pracht. Der Wind treibt indes sein lustvolles Spiel mit dem Getreide – er wirft immer wieder neue Wellen in das Feld, gleichsam Meereswellen. Ich betrachte gebannt das wundervolle Schauspiel der Natur – die Welle breitet sich immer mehr aus und entwickelt dabei ihre ganz eigene Dynamik. Die Welle bewegt sich ständig und verändert sich – die Wanderung der Welle zieht sich indes immer weiter und erfasst schließlich die filigranen Ähren des gesamten Feldes. Die Gerste gibt sich indes bereitwillig dem sanften Spiel und der Leichtigkeit des Windes hin – gerade so als ob sie das Spiel des Windes und die frische Brise des Windstoßes genießen würde.

Ich laufe weiter, passiere einen idyllischen Garten mit Zwetschgenbäumen, Eiben und Pfingstrosen.

In der Front des weitläufigen Gartens steht ein riesiger Walnussbaum, daneben eine mächtige Eiche. Weiter betrachte ich Zypressen, Azaleen, Ginster und einen Rhododendronbusch.

 Eine Katze huscht fluchtartig über den Weg, als ein Auto viel zu schnell naht. Auf der nahen Weide stehen Haflinger- und Friesenpferde, die mir neugierig wiehernd entgegentraben.

Ein Pferd schüttelt vehement den Kopf, um sich lästiger Insekten zu entledigen. Das fast geheimnisvoll anmutende Erscheinungsbild der eleganten Friesen strahlt Mystik, Ruhe und Faszination aus – fast wähne ich mich in einem Märchen.

Ich kann meine Augen nicht von den prachtvollen Tieren lassen, deren pechschwarzes Fell und üppiges Langhaar mich in ihren Bann ziehen. Ich versuche derweil einem stämmigen Friesenpferd in die Augen zu schauen, was mir aber angesichts des langen Behangs, der dem Tier über das gesamte Gesicht fällt, nicht gelingt. Das imposante Pferd blickt nichtsdestotrotz unverdrossen in meine Richtung, bevor es endgültig sein Interesse verliert und sich seinen tierischen Gefährten zuwendet.

Die Pferde kraulen sich nun gegenseitig den Nacken und liebkosen sich. Ein Gefühl des tiefen Friedens und der Geborgenheit breitet sich in mir aus, ich komme zur Ruhe, während ich die sanftmütigen Tiere betrachte. Ein Bild der Schönheit und Harmonie bietet sich mir – ein Anblick, von dem ich mich nur schwer losreißen lasse, stundenlang könnte ich beim Spiel der anmutigen Tiere verweilen. Ein hochgetuntes Mofa, welches krachend die Landstraße heraufrollt, stört die Idylle der Natur, so gehe ich mit einem schweren Seufzer weiter, laufe den Feldweg entlang. Kaum ein paar Meter weiter sehe ich weißbraune Kühe, diese jedoch von unnatürlicher und unharmonischer Gestalt. Riesige Kühe von so wuchtigem Gewicht, dass sie kaum in der Lage zu sein scheinen, dieses zu stemmen.

Die gigantischen Tiere mit abartig großen Eutern bewegen sich fast im Zeitlupentempo – teils grasen sie weiter, teils beobachten sie mich neugierig und nähern sich mir träge. Diese Kuhrasse scheint indes keine Laune der Natur zu sein und schon gar nicht dem Wohlergehen der Tiere geschuldet zu sein – vielmehr scheinen die lebenden Fleischberge Zeugnis der Hochleistungszucht zu sein, welche das Wohl des Tieres jedoch gänzlich außer Acht lässt. Zwischen den gigantischen Kühen liegen kleine Kälber, eine Kuh leckt ihrem Kalb das Gesicht ab, während die Mutter zufrieden mit dem Schwanz wedelt.

Eine lauschige Ecke ist mein nächstes Ziel – der Schattenplatz ist indes, wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung, noch feucht, klamm und angenehm kühl. Es riecht nach frischem Moos.

Ich erblicke Farnkraut, saftigen Löwenzahn, Eiben, einen einzelnen und gleichsam verwaisten Ilexstrauch. Gleich hinter dem Strauch ist Holz aufgeschichtet, das allem Anschein nach den noch verbleibenden Baumstümpfen entrissen wurde.

Mein Auge fällt weiter auf Efeu, das Signum eines jeden Schattenplatzes.

Weiter draußen, als es wieder auf das Licht zugeht, blühen Hahnenfußgewächse und Mohn. Üppig blühende Weißdornsträucher säumen weiter den Weg….

(2) Kommentare

  1. Emilia Herr 25. Juni 2017at18:51

    Fotos großartig, Text – herrlich lyrisch, zeugt von Liebe zur Natur und reicher Kenntnis der Botanik.

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